Kreisky

Der Name täuscht. Kreisky ist keine dezidiert politische Band. Das Quartett, seit Anfang 2005 gemeinsam am Werk, hat sich einem anderen Auftrag gestellt, so simpel wie notwendig: Musik machen! Band sein!
In einer Wortspende zu den ersten Kreisky-Gigs war von „Jesus Lizard trifft Udo Jürgens“ zu lesen, das mag musikalisch nicht stimmen, aber dem speziellen, freien Geist dieser Band Kreisky kommt das Zitat schon nahe. Die Musik ist präzise, weitgehend fordernd, ohne Angst vor gewollten Schräglagen und querulierenden Noiseausritten. Bei aller Sperrigkeit sind Kreisky dabei überraschend zugänglich, weil sich die zwingende Logik dieser Musik auch ohne poppiges Refraindiktat schnell erschließt.
Dazu fühlt Wenzl mit seinen Worten „der Sau in jedem von uns“ auf die schmerzenden, oft angefaulten Zähne. Er tut das als Sänger und Texter in seiner ganz eigenen Stimmlage, fern von einer ans Schriftdeutsch einer lang geschlossenen Schule angelehnten Sprache und noch viele Welten weiter von den banalen deutschsprachigen Blödheiten, die aus dem Musikfernsehen und dem Jugendradio ans zunehmend unwillige Ohr dringen, entfernt.
Beim Hören erinnert das daran, dass Lachen mit Zähne zeigen, also Aggression zu tun hat. Oder daran, dass man in einer seltsamen Welt wie der unseren über die Tragödien eigentlich schon herzhafter und leichter lacht als über die Komödien. Und daran, dass viele solcher „Grenzen“ fließend sind.
Unterseiten nach oben kehren, in Zahnlücken stochern, in Abgründe schauen. In einer Musiklandschaft, die eigentlich recht sinnentleert vor sich hintut, ist so eine künstlerische Position herzerfrischend. Wie Kreisky sie ins Zentrum einer geilen, effektiven Musik stellen ist einmalig – gönnen Sie sich das, und keine Angst vor der Mehrheitsfähigkeit!